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Das schaurige Haus

Grusel gefällig?

Sehr gerne! Mit Martina Wildners „Das schaurige Haus“ liegt man hier völlig richtig! Die Altersempfehlung vom Beltz & Gelberg Verlag von 11 Jahren ist hier nicht unangemessen, dennoch sollten besonders phantasiebegabte, nervlich wenig strapazierfähige oder schlafwandelnde Leser die Finger davon lassen, wenn sie beruhigt schlafen wollen.

Außerdem ist diese Lektüre nichts für Menschen, die sich vor Schnecken ekeln, denn von diesen Tierchen wimmelt es nur so im Buch!

Drei Bände gibt es bereits!

„Das schaurige Haus“ bildet den Auftakt zu den bisher erschienen drei Bänden. Teil drei „Dieser verfluchte Baum“ ist brandneu! Der erste Teil dieser Grusel- und Kriminalromane ist jedoch der mit dem größten Gänsehautfaktor.

Um was geht es hier?

Aufgrund einer neuen Arbeitsstelle für den Vater ist die Familie des Erzählers gezwungen, von Chemnitz (C.) in ein kleines Dorf im Allgäu zu ziehen. Die Wohnung im Osten wird gegen ein geräumiges, relativ neues – doch seit über zehn Jahren leerstehendes – Haus getauscht. Obwohl die Gegend wunderschön ist, stellt sich die Eingewöhnung als eine Herausforderung dar. Während Eddi, der vierjährige Bruder des Ich-Erzählers Hendrik (11-12 Jahre), in einen wahren Schneckenbegeisterungstaumel gerät – am Nachmittag des vierten Tages findet er 346 Nacktschnecken -, ist die Mutter frustriert und der Erzähler macht sich Sorgen über die Integrationsmöglichkeiten.

Nicht nur die Sprache erschwert das Zwischenmenschliche, sondern auch die distanzierten und meist unhöflichen Dorfbewohner:

„Grüß Gott“, sagte Mama. Der Gruß klang bizarr aus ihrem Mund. Papa hatte uns eingeschärft, hier immer Grüß Gott zu sagen. Das sei sehr wichtig.

„Griaß Gott“, antwortete die Nachbarin.

„Griaß Gott“, entgegnete Eddi nahezu akzentfrei.

Mama streckte Frau Seelos die Hand entgegen. Die reagierte nicht.

„Ich möchte mich vorstellen“, sagte Mama etwas verlegen und zog die Hand zurück.

… „Wir sind die neuen Nachbarn.“

„Ja“, sagte die Frau, sonst nichts.

Martina Wildner, Das schaurige Haus. Beltz & Gelberg, Weinheim 2013, S. 25

Hinzukommt noch, dass das neue Haus neben einem kleinen Friedhof samt Kirche liegt, Hendrik von einem Dorffiesling namens Chris gemobbt wird und der kleine Eddi plötzlich schlafwandelt.

Aufbau und Themen

Klug baut Martina Wildner eine Handlung auf, die neben beliebten Szenarien aus dem Gruselgenre auch die Lust aufs Kriminalistische weckt. Eine Spur führt zur anderen, eine „außernatürliche“ Wahrnehmung zur nächsten. Für Langeweile ist hier kein Platz! Es knistert sogar zwischen den Zeilen.

Themen wie Mobbing, Außenseitertum, Fremdsein, Verlust von Menschen, Arbeitslosigkeit, etc. finden hier Eingang und bieten den Lesern die Möglichkeit, sich selbst und die eigene gesellschaftliche Verortung zu hinterfragen.

Figuren

Doch ohne die wunderbaren Romanfiguren wären die nervaufreibenden Passagen schwerer zu verdauen. Hendrik ist mit seinen Problemen nicht allein, sein Bruder Eddi – dessen ganzes Wesen so einnehmend und unterhaltsam ist -, sein neuer Schulfreund Fritz und auch Ida – ein Mädchen aus dem Dorf, das sich für ihn interessiert und zu ihm hält – stehen ihm bei seiner Mission bei, Licht in die unerklärlichen Begebenheiten zu bringen und den oder die Verursacher zu entlarven.

Ein absolutes Lesevergnügen! Vor allem auch ein Buch für Jungs!

Ab 11 Jahren

Martina Wildner
Das schaurige Haus
Gulliver Edition vom Beltz & Gelberg Verlag
Weinheim 2013
232 Seiten
ISBN 978-3-407-74386-2

Auch als E-book erhältlich
Es gibt ein Lehrerbegleitheft samt Unterrichtsmaterial auch per download.

Schnecken vor!

Diese Kriechtiere spielen in „Das schaurige Haus“ eine besondere Rolle. Nicht nur, weil Eddi sie mit Begeisterung sammelt, sondern auch, weil er sie bei seinen Schlafwandel-Touren auf Wände malt und Hendrik und seinem Freund Fritz so wichtige Hinweise liefert, wer hinter all den seltsamen Vorfällen stecken könnte.

Wie das so ist mit Schnecken – mit und ohne Haus – beschäftigt Eddi:

„Vertragen sich eigentlich Schnecken mit Haus und Schnecken ohne Haus?“, fragte Eddi. „Oder werden die nackten versuchen, den anderen die Häuser zu klauen?“

„Keine Ahnung“, sagte ich.

„Auf jeden Fall sind die nackten größer“, fuhr Eddi fort. „Ihnen würde das Haus der anderen gar nichts nützen. Es wäre zu klein für sie.“

Ebd. S. 7

Schnecken mit und ohne Häuser?

Das scheint mir ein gutes Thema für meine neue Bastelidee zu sein 🙂

Architekt für Schneckenhäuser – von der Planung bis zum fertigen Haus!

Material

  • Wäscheklammern aus Holz
  • Draht (für die Fühler)
  • dünne Pappe oder Karton
  • Farbe/Lack dunkelbraun

Als erstes wird die Wäscheklammer zum Schneckenkörper umfunktioniert, indem du mit einem Taschenmesser vorne die Klammer abrundest und hinten eine Spitze schnitzt. Mit Schmirgelpapier oder einer Feile (kann auch eine Nagelfeile sein) entfernst du scharfe Holzkanten oder evt. abstehende Holzspäne. Du könntest auch schon für später im vorderen Drittel eine kleine Kerbe für den Draht machen.

Anschließend malst du die Wäscheklammer an. Gehe hier Schritt für Schritt vor: erst die oberer Hälfte anmalen – trocknen lassen, dann die untere Seite bepinseln – trocknen lassen, und am Ende klebst du die hinteren Enden mit einem Klebeband so zusammen, dass sich die Klammer vorne öffnet und du die Innenfläche bemalen kannst. Statt der dunkelbrauen kannst du auch eine andere Farbe verwenden! Male deine Schnecke so an, wie es dir gefällt!

Jetzt bist du als Architekt/in gefragt!

Du kannst dein Häuschen ganz einfach gestalten oder eben komplizierter, hier findest du verschiedene Varianten! Wichtig dabei ist, möglichst genau zu messen und zu schneiden!

Dies hier ist die einfachste Hausgestaltung, ein Rechteck – Hochhaus. Da die Wäscheklammer recht schmal ist, solltest du den Grundriss eher klein halten (3cm x 3cm). Die Höhe darfst du nicht übertreiben, damit die Schnecke dann auch stehen bleibt und nicht umkippt. Ich habe mich hier für eine Höhe von 8cm entschieden. Vergiss beim Aufzeichnen nicht die Klebelaschen (0,5cm) und das Dach!

Bevor du alles zusammenklebst, solltest du die Umbiegekanten jeweils mit einer Schere oder einem Cutter zart einritzen und anschließend über die Tischkante biegen, dann wird der Bug sauberer!

Zusammengefaltet sieht das dann so aus:

Weil ich den Umschlag einer Broschüre als Material verwendet habe, ist mein Hochhaus gelb und und hat oben noch einen kleinen Streifen, was ich ganz lustig finde. Am Ende habe ich dann noch Fenster aufgeklebt – das siehst du später!

Es wäre auch möglich die Dachterrasse oben zu begrünen – mit Moos z.B. – oder eine Sonnenschirm etc. aufzustellen 🙂

Klassischer für ein Schneckenhaus ist diese Hausform! Als Grundform brauchst du zwei Kreise und dazwischen einen ca. 2,5-3cm breiten Streifen, der am Ende um den ganzen Kreis plus Klebelasche gehen muss. Falls du dich jemals gefragt hast, wofür du in Mathe einen Kreisumfang errechnen musst, hier ist die Antwort 🙂

Vergiss nicht am Streifen entlang rechts und links eine Klebelasche einzuzeichnen, die du nach dem Einknicken einschneidest. Auf den anschließenden Bildern siehst du, warum das wichtig ist!

Arbeite auch hier sorgfältig und gehe mit dem Klebstoff sparsam und gezielt vor!





Dieses Häuschen ist etwas für Geübte!

Die genauen Maße kannst du vom Bild oben ablesen. Alles anderes funktioniert wie bei den anderen Beispielen. Hier ist es sehr wichtig genau zu messen!

Hast du dich für eines der Häuschen entschieden oder alle drei nachgebaut, dann geht es weiter zu den Fühlern der Schnecke und zur Montage des Häuschens! PS: Die Fenster habe ich übrigens mithilfe eines Lochers gemacht.

Zwicke dir ein kleines Stücken Blumendraht ab (ca. 6cm) und biege es mithilfe einer Rundzange so, wie du es auf dem Bild siehst. Achte darauf, dass die Auflagefläche, also das untere Teil, welches du auf die Schnecke kleben wirst, möglichst gerade ist.

Falls du es noch nicht gemacht hast, kerbe nun die Wäscheklammer im vorderen Teil mit einem Messer ein. Gib anschließend Klebstoff in die Kerbe, drücke den Draht fest hinein und verstreiche den Klebstoff etwas. Wenn er eingetrocknet ist, kannst du noch einmal mit Farbe darüber gehen, dann hält der Draht besser und es sieht auch schöner aus!

Und jetzt wird das Häuschen montiert!

Klebe es ganz einfach mithilfe von Flüssigklebstoff in die Mitte der Wäscheklammer!

Die drei Schnecken sind bereit für das nächste Abenteuer …

Und du?

Vielleicht hast du ja auch Lust, ein Schneckenabenteuer zu erfinden? Über eine solche „Schneckenpost“ würde ich mich echt freuen!

Also, bis bald?

PS: Martina Wilder ist übrigens am 27. 11. 2019 im Rahmen der Münchner Bücherschau im Gasteig und liest aus ihrem neuesten Werk „Dieser verfluchte Baum“ vor!

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