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Die Mitternachtstür

Mal wieder habe ich mich zum Griff nach dem Buch – erstens aufgrund des Covers und zweitens wegen des Titels – verleiten lassen. „Die Mitternachtstür“ klingt ja auch wirklich super spannend und für jemanden wie mich, die gerne schaurige Geschichten mag, ist das Stichwort „Mitternacht“ stets verlockend.

Ja nun, der Titel führt ein bisschen in die Irre, denn auf Grusel wartet man hier vergebens, stattdessen wird man mit einer riesigen Portion Charme, Ideenreichtum und Menschlichkeit belohnt!

Besonders schön finde ich es, dass hier eine Familie im Mittelpunkt steht, die bereits vom Schicksal gebeutelt worden ist, aber dennoch zusammenhält und Wege findet, um aus der Misere herauszukommen:

  • Der Vater ist Mechaniker und momentan auf Arbeitssuche, weshalb die ganze Familie in seine Heimatstadt Carousel und in sein Elternhaus ziehen muss.
  • Die Mutter ist Künstlerin und querschnittsgelähmt, nicht von Geburt an, wie der Sohn Granit Fremden meist erzählt, damit sie keine weiteren Fragen stellen, sondern durch einen Unfall, über den Vater und Mutter schweigen. Die Kunst hat sie aufgegeben.
  • Die zwei Kinder, Granite und Maisie, ein Junge von ca. 12 Jahren und ein kleines Mädchen kommen recht gut zurecht, versuchen jedoch ihre Eltern stets vor Traurigkeit und Sorgen zu bewahren.

Granite Flowerpedal (= Granit Blütenblatt), der sich für seinen Namen schämt, weil NIEMAND so heißt, treibt zunächst die Sorge um, wie er sich in der neuen Schule vorstellen könnte, damit sein Name und somit er nicht verspottet wird. Gran oder Grant … erinnert ein bisschen an Stuart Horten (siehe Blogbeitrag: Bücher für den Sommer), denn auch dieser schämt sich für seinen Namen und beide sind ausnehmend klein, was für Jungs wohl noch schlimmer zu sein scheint als für Mädchen. Allerdings wird sich im Laufe beider Geschichten herausstellen, dass Kleinsein viele Vorteile mit sich bringt.

Maisie Flowerpedal ist ein lebhaftes und fantasiebegabtes Mädchen, das gerne spielt und hüpft, auch wenn ihm davon übel wird.

Um was geht es?

Kurz: Granite lernt in der Schule ein Mädchen namens Catalina Catalan kennen, das ihn zu interessieren beginnt und zwar nicht nur, weil Catalina der einzige Menschen zu sein scheint, der mit ihm redet, sondern, weil sie ebenso klein wie er ist, stets die selbe Kleidung trägt, klug ist, ihn bei seiner Spitznamenwahl auf Folgendes aufmerksam macht:

Lieber Granite/Gran,

ich kann verstehen, dass Du Deinen Namen ändern wolltest. Aber warum hast Du Gran daraus gemacht? Ist Dir nicht klar, dass Gran so klingt, als wärst Du eine Großmutter? Ein zwölfjähriger Junge sollte nicht so heißen, wie ich meine Großmutter nenne. Nämlich Gran.

Frage des Tages: Warum hast Du aus Deinem Namen nicht einfach Grant gemacht? Das ist ein Vorname, den es wirklich gibt.

Gezeichnet,

Deine Mitschülerin

Eggers Dave, Die Mitternachtstür. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2018, S. 44

… und immer wieder aus heiterem Himmel auftaucht und verschwindet.

Aber wohin verschwindet Catalina? Das will der Junge herausfinden und landet damit in einem famosen Abenteuer.

Zuviel soll hier nicht verraten werden, aber Folgendes sei angemerkt:

Catalina ist eine von vielen „Liftern“, die jede Nacht versucht, die Stadt Carousel davor zu bewahren in der Tiefe zu versinken, denn unter ihr treiben die fiesen Hollows ihr Unwesen!

Und weiter …

Was wirklich gegen die vernichtenden Hollows hilft und ob Gran und Catalina den Kampf gewinnen, müsst ihr selbst nachlesen 🙂

Ab 10 Jahren – auch toll für Jungs!

Dave Eggers
Die Mitternachtstür
Fischer Verlag
Frankfurt am Main 2018
364 Seiten
ISBN: 978-3-7373-5629-9

Meine Inspiration: Die Stadt Carousel…

Karussell in Frankreich

Mr. Flowerpetals Heimatstadt ist – wie es bereits der Name verrät – berühmt für seine Karussellmanufaktur. Leider ist diese Besonderheit in Vergessenheit geraten. Bei ihren Abenteuern stoßen Gran und Catalina allerdings auf eine der schönsten Figuren, die einst das berühmte Karussell der Stadt geschmückt hat, und in diesem Buch noch eine wichtige Rolle spielen wird: Ein Karussellpferd!

Vom Hausmeister El Duque, mit dem Gran seine Schulpausen verbringt, erfährt er, dass dieser früher Schnitzer war und Tiere für die berühmte Manufaktur hergestellt hat. El Duque zeigt ihm Fotos von früher und fragt Gran:

„Weißt du wie man das nennt?“

„Ein Pferd?“

El Duque lachte. „Klar ist es ein Pferd. Aber ein besonderes. …sie hieß Gussie. Und Gussie war das Leitpferd.“

Gran sah El Duque fragend an.

„Das Leitpferd ist das kunstvollste, das am sorgfältigsten gearbeitete. Meine Gussie hier war eine Sternguckerin, was bedeutet, dass sie die Vorderbeine in die Luft wirft und mit der Nase in den Himmel deutet. Sie war mir von allen Pferden, die ich in meinem Leben geschnitzt habe, das liebste.“

S. oben S. 86

Und weil ich beim Lesen dieser Zeilen sofort ein Bild von dieser wunderbaren Sternenguckerin vor Augen hatte, wurde dies zu meinem neuen Romantiger-Projekt:

Gussie – die Sternguckerin

Gussi, das Karussellpferd, aus weißem Filz, handgenäht mit Verzierung

Für Geübte!

Dieses Vorhaben war etwas komplizierter und aufwendiger als meine bisherigen Projekte. Ich mag Pferde, gehöre aber nicht zu jenen, die bereits im zarten Alter von sieben Jahren fleißig damit beschäftigt waren, ein Pferd nach dem anderen zu zeichnen.

Material

Verwendet habe ich hier einen festeren Filz in rohweiß. Filz eignet sich hierfür besonders gut wegen des Floors, der an Pferdefell erinnert.

Zum Ausstopfen des Pferdes solltest du Füllwolle verwenden.

Außerdem brauchst du Wolle für die Mähne und den Schweif, Nähseide in verschiedenen Farben. Zum Verzieren habe ich Filzbänder verwendet, die fransen nicht aus und man bekommt sie in schönen Farbtönen.

Um das Pferd karusselltüchtig zu machen, habe ich noch ein Stück Holz organisiert (Es gibt runde Holzscheibchen im Bastelladen oder man sägt eine 5mm – 1cm dicke Scheibe von einem Ast mit ca. 7-8 cm Durchmesser ab.). Außerdem einen Holzstab ca. 20 cm lang und nicht dicker als 7 mm Durchmesser (Ich habe einfach einen Stab aus einem Orchideenblumentopf stibitzt.).

Arbeitsmittel

Eine Nähmaschine und eine Stricknadel oder Schere als Hilfsmittel beim Befüllen mit der Füllwolle sind notwendig. Natürlich kannst du dein Pferd auch mit der Hand nähen, dann solltest du sehr kleine und feste Stiche machen, damit die Füllwolle später nicht austritt.

Anleitung Schritt für Schritt

Filz doppelt legen und zuerst das ganze Pferd mit 0,5 cm Nahtzugabe aufzeichnen und dann ausschneiden. Anschließend ein Stück Stoff falten, sodass ein Bug entsteht, und wie auf dem Foto die Beine plus etwas Bauch (ca. 1 cm plus Nahtzugabe) zuschneiden.

Das Pferd nun vom linken Ansatzpunkt – Pferdebrust (die Stelle, bis wohin die zugeschnittenen Beine/Bug gehen) bis zum rechten Ansatzpunkt (die Stelle, bis wohin die zugeschnittenen Beine/Bug gehen) zusammennähen. Vernähe die Stellen gut!
Nun das Beinteil auseinanderklappen, von innen an die Pferdebeine legen, zusammenstecken und zusammennähen. Achtung, du musst vorher noch ein kleines Knopfloch in den Beinteil nähen, damit zu später den Stab montieren kannst und du musst beim Nähen eine Stelle (ca. 3-4 cm) offen lassen zum Umstülpen.
Knopfloch und offene Stelle zum Umstülpen
Schneide, überall wo Ecken sind, die Nahtzugabe etwas ein, dann lässt sich der Stoff schöner umstülpen.
Schneide auch Ohren zu, nähe sie zusammen, stülpe sie um!

Mithilfe einer Stricknadel wenden und ganz langsam mit kleinen Füllwollestücken füllen. Je genauer du hier arbeitest desto schöner wird das Ergebnis!
Öffnung unten zunähen, Ohren annähen und dann kommt die Mähne (Wollfaden für Wollfaden mit Nähseide annähen) dran.
… Und die Augen …
Beim Schmücken des Pferdes sind keine Grenzen gesetzt! Ich habe hier Filzbänder wellig zugeschnitten und sie dann so festgenäht, dass es ein bisschen so aussieht als wären kleine Ziernägel drin.
PS: Das Bild im Hintergrund stammt aus Shaun Tans „Geschichten aus der Vorstadt des Universums“ und hat mich verzaubert!
Mit der Schere in der Mitte des Holzplättchens ein Loch drehen (hier ist ein kleiner Kreis, der nicht so fest wie das Holz ist) – nicht zu groß, damit der Holzstab auch ohne Leim haftet. Stab rein und …

… fertig: Meine Gussie!

Übrigens: Die Mitternachtstür gibt es auch als Hörbuch, wunderbar gelesen von Jacob Weigert!

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